News-Bericht

Generationsübergreifend — oder greifen wir nur für eine Generation in die Stadtkasse?

„Generationsübergreifend" steht in jedem offiziellen Dokument zur Begegnungsstätte WIR³ in der Hauptstraße. Wir haben nachgesehen, wer sie betreibt, was dort stattfindet, was die Öffnungszeiten wirklich sind und was das Ganze kostet. Ergebnis: ein Programm ganz ohne erkennbares Angebot für Kinder, Jugendliche oder Familien, ein Betreiber mit Herkunft aus der Seniorenarbeit, und Öffnungszeiten, die sich seit Monaten selbst widersprechen. Fakten zuerst, Meinung am Ende, klar getrennt.

≈ 48.000 €
hat WIR³ die Stadt bislang konkret gekostet
6.988,87 € Ausstellungsraum + 18.053,28 € (2025) + 23.000 € (2026, Ansatz) — ohne Landesmittel
≈ 71.000 €
geschätzt über die volle 3-Jahres-Vertragslaufzeit
wenn der 2026er-Satz 2027 fortgilt — unsere Annahme, kein Beschluss
1 von 22
Terminen berührt überhaupt zwei Generationen
Handysprechstunde mit dem Jugendzentrum — aber als Hilfsangebot von jung an alt, kein gemeinsames Format; die übrigen 21 richten sich nicht an Kinder, Jugendliche oder Familien
2 Zeitangaben
für dieselben Öffnungszeiten im Umlauf
Di–Sa 11–17 Uhr laut Betreibervertrag, Mo–Do 12–17 Uhr laut eigener Angabe der Stadt

„Generationsübergreifend" — so heißt die Begegnungsstätte WIR³ in der Hauptstraße 32 in jedem offiziellen Dokument, das wir gefunden haben: im Förderbescheid des Landes, in der Pressemitteilung des Landkreises, im eigenen Beschluss des Stadtrats. Wir wollten wissen, ob das auch stimmt. Für wen ist das Angebot wirklich da? Ist das Programm etwas wert? Sind die Öffnungszeiten überhaupt verlässlich? Und was kostet die Sache? Erst die Fakten. Am Ende, klar getrennt, unsere Meinung.

Wer betreibt WIR³

Ursprünglich sollte die Stadt die Begegnungsstätte selbst betreiben — so war es im Haushaltsplan 2025 vorgesehen, mit eigenem Personal, eigener Miete, eigener Bewirtschaftung. Am 15.09.2025 einigte man sich stattdessen mit einem externen Träger: der IB Mitte gGmbH für Bildung und Soziale Dienste. Im Stadtrat wurde die Wahl so begründet: Der IB wurde „als Träger der Seniorenarbeit in Finsterbergen für dieses Projekt gewonnen" (Niederschrift Stadtrat, 28.10.2025, TOP 12). Am 03.11.2025 wurde die Begegnungsstätte eröffnet.

Warum genau die Stadt von der Eigenbetreibung abrückte, sagt keine der uns vorliegenden Quellen ausdrücklich. Was sich aber sauber belegen lässt: Der Unterschied im Haushalt ist erheblich. Die geplante Eigenbetreibung hätte die Stadt laut Haushaltsplan mit 91.000 € pro Jahr belastet (siehe Abschnitt „Was es kostet"); der tatsächliche Ansatz mit dem IB als Betreiber liegt für 2026 bei 30.000 € — nur noch rund ein Drittel davon. Ob diese Differenz der Grund für den Wechsel war, wissen wir nicht. Dass sie besteht, schon.

Der Betreibervertrag läuft zunächst drei Jahre mit Verlängerungsoption, der IB stellt eigenes Fachpersonal ein. Das ist rechtlich also ein befristetes Pilotprojekt, kein unbefristeter Regelbetrieb — das gehört zur Fairness dazu.

Was tatsächlich stattfindet

Wir haben unseren eigenen, automatisch aus dem städtischen Veranstaltungskalender gespeisten Datenbestand ausgewertet: 22 Termine in der Begegnungsstätte zwischen Juli und September 2026. Das Bild ist eindeutig:

  • Mittwochs-Treff (wöchentlich)
  • Stricken und Häkeln / Spielenachmittag (wöchentlich)
  • „Let's Talk" — Englisch ohne Angst vor Fehlern (wöchentlich)
  • Handysprechstunde
  • Kreativnachmittag
  • „Frisch ins Glas" (Einkochen)
  • AGATHE-Plauderbank
  • allgemeine Sprechstunde

Von 22 Terminen berührt einer überhaupt zwei Generationen: die monatliche Handysprechstunde unter dem Motto „Gemeinsam digital, von Generation zu Generation", angeboten mit der Jugendsozialarbeiterin des Kinder- und Jugendzentrums, Annabell Moreno Leyva (wir hatten das bereits in unserem Jugendarbeit-Artikel beschrieben). Auch dieser eine Termin ist aber nur bedingt „generationsübergreifend" im eigentlichen Sinn: Es ist ein Hilfsangebot von jung an alt, junge Menschen erklären Senioren das Handy. Ein Format, bei dem beide Generationen gemeinsam etwas tun oder das sich gezielt an junge Menschen selbst richtet, ist das nicht.

Die übrigen 21 Termine richten sich nicht erkennbar an Kinder, Jugendliche oder Familien. Auch für berufstätige Erwachsene ist das Zeitfenster meist ungünstig: Fast alle Angebote liegen zwischen 11 und 13 Uhr an Werktagen — mitten in Arbeits- und Schulzeit.

Das ist an sich kein Vorwurf an die einzelnen Angebote — Stricken, Handysprechstunden und eine Plauderbank sind sinnvolle, oft nachgefragte Formate. Der Widerspruch liegt darin: Die Einrichtung wirbt offiziell für „alle Generationen". Das tatsächliche Programm erreicht, bis auf die eine monatliche Ausnahme, nur eine davon.

Öffnungszeiten: zwei Angaben, ein Widerspruch

Im Stadtrat wurde am 28.10.2025 vor der Eröffnung festgehalten: „Öffnungszeiten voraussichtlich: dienstags–samstags von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr" (Niederschrift Stadtrat, 28.10.2025, TOP 12, Beschluss STR/VIII/2025/082).

Zur Ausstellung „Schubert-Deister — frühe Werke" im Juli 2026 nannte die Stadt selbst eine andere Zeit: „Geöffnet montags bis donnerstags von 12 bis 17 Uhr" — wir hatten diesen Widerspruch bereits in unserem Artikel zur Ausstellung dokumentiert. Wir haben jetzt geprüft: In keiner der sieben Stadtratssitzungen des Jahres 2026 (Stand 02.07.2026) wurde eine Änderung der Öffnungszeiten beschlossen oder auch nur erwähnt. Der Widerspruch steht seit Monaten unaufgelöst im Raum.

Ein möglicher Grund dafür lässt sich zumindest andeuten: Im Ausschuss für Kur, Kultur, Tourismus, Umwelt und Soziales erklärte Frau Hammermeister auf Nachfrage, „dass die Werbung für die Begegnungsstätte ausschließlich durch den IB veranlasst werden darf. Hier gelten strenge Vorgaben seitens des IB" (Niederschrift KKTUS, 12.02.2026). Wörtlich gesagt wurde das zur Werbung, nicht zu Korrekturen falscher Angaben — das ist unsere Einordnung, kein Zitat. Aber sie liegt nahe: Wenn die Stadt nicht einmal selbst werben darf, ist unklar, wer überhaupt zuständig wäre, wenn zwei Angaben zur Öffnungszeit im Umlauf sind.

Was es kostet

Drei getrennte Geldflüsse stehen hinter WIR³ — wir haben sie einzeln geprüft, damit am Ende keine erfundene Gesamtsumme steht.

Der Ausstellungsraum, gedacht für Öffentlichkeit und Touristen: Gesamtkosten 19.968,20 €, davon über das Programm LEADER (Förderrichtlinie ILE/REVIT) 12.979,33 € gefördert. Den Rest, rund 6.988,87 €, trug die Stadt einmalig (Zuwendungsbescheid Nr. RAG GO LPRO 2025-08, Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, 07.07.2025).

Der laufende Betrieb der Begegnungsstätte selbst — das ist der Posten, der jedes Jahr neu anfällt. Der Stadtrat beschloss wörtlich, „die Stadt unterstützt den Betreiber mit einer Zuweisung in Höhe von 30 % der notwendigen Kosten" (Beschluss STR/VIII/2025/095, 27.11.2025). Wir haben dafür direkt im Haushaltsplan 2026 nachgesehen, Haushaltsstelle 1.35500 (Begegnungsstätte):

  • 2025 (Ansatz laut Haushaltsplan, für die damals noch geplante Eigenbetreibung durch die Stadt): 91.000 € vorgesehene Ausgaben — darunter 47.000 € eigenes Personal, 21.000 € Miete, 12.000 € weitere Personalnebenkosten (Versorgungskassen und Sozialversicherung), 4.000 € Bewirtschaftung, 5.000 € Sachkosten, 2.000 € Versicherung. Diese Summe wurde so nicht ausgegeben, weil die Stadt im September 2025 auf den IB als Betreiber umschwenkte. Tatsächlich floss laut Stadtratsbeschluss vom 27.11.2025 für das Teiljahr ab Eröffnung: 18.053,28 € — als 30-Prozent-Zuweisung an den IB, haushaltsneutral aus den nicht mehr benötigten eigenen Personalmitteln finanziert.
  • 2026 (Haushaltsansatz nach der Umstellung): 23.000 € Zuweisung an den IB, dazu 5.000 € Sachkosten Projekte und 2.000 € Versicherung — macht 30.000 € Gesamtansatz für dieses Jahr.
  • 2027: Im uns vorliegenden Haushaltsplan noch nicht beziffert. Ein Haushaltsplan 2027 ist bislang nicht veröffentlicht.

Damit die Stadt WIR³ bislang konkret gekostet hat: 6.988,87 € (Ausstellungsraum, einmalig) + 18.053,28 € (2025) + 23.000 € (2026, Ansatz) = 48.042,15 € in weniger als anderthalb Jahren. Setzt sich die jährliche Zuweisung von 23.000 € im dritten Vertragsjahr 2027 fort — eine Annahme unsererseits, kein Beschluss —, kämen über die gesamte Erstlaufzeit des Vertrags rund 71.000 € allein aus dem städtischen Haushalt zusammen.

Zusätzlich, aber getrennt von diesem städtischen Anteil: Landesmittel aus dem Programm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen" (LSZ), für 2026 rund 42.100 €, öffentlich gemacht bei einer Förderscheck-Übergabe des Landkreises Gotha genau in der Begegnungsstätte selbst (Pressemitteilung Landratsamt Gotha, über lsz-thueringen.de/news, abgerufen 24.08.2026). Wie sich dieser Landesanteil zum städtischen 30-Prozent-Anteil rechnerisch verhält, geht aus den uns vorliegenden Dokumenten nicht hervor — das ist Landesgeld, kein städtisches, und fließt deshalb nicht in unsere Stadt-Summe oben ein.

Der Haushalt drumherum

Der städtische Haushalt ist nach eigener Aussage der Verwaltung knapp — wir haben das in zwei früheren Artikeln mit Zahlen aus dem Haushaltsplan 2026 belegt: Für die gesamte Digitalisierung der Verwaltung stehen 13.000 € zur Verfügung, „aus Kapazitätsgründen" kam vieles zuletzt nicht voran (siehe „Wohin gehen Ihre Steuern?" und „Was Digitalisierung in Friedrichroda wert ist"). Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist außerdem eine Stelle im Rathaus unbesetzt: „Sachbearbeiter (m/w/d) Ordnungsverwaltung", unbefristet zum 01.11.2026 ausgeschrieben (Stellenausschreibung der Stadt, veröffentlicht 30.07.2026).

Das eine hat mit dem anderen keinen belegten ursächlichen Zusammenhang — wir behaupten nicht, dass WIR³-Gelder die offene Stelle blockieren. Aber beide Tatsachen sind gleichzeitig wahr, und sie gehören in dieselbe Rechnung wie die Zahlen im nächsten Abschnitt.

Im Vergleich: Senioren, Jugend, und die Lücke dazwischen

WIR³ ist nicht die erste städtische Förderung mit Bezug zu älteren Menschen. Im selben Haushaltsplan 2026 gibt es unter der Haushaltsstelle „Soziale Einrichtungen" seit Jahren eine eigene Zuwendung für die Seniorenarbeit — unabhängig von WIR³. Ein Teil davon ist seit mindestens 2020 konstant: die Zuweisung von 2.400 € an einen Seniorenverein in Friedrichroda, jedes Jahr exakt derselbe Betrag. Dazu kommen 2.400 € für einen entsprechenden Verein in Finsterbergen (hier schwankte die Höhe in früheren Jahren), 200 € für ehrenamtliche Tätigkeit und 4.000 € für Veranstaltungen — unter anderem die jährliche Seniorenweihnachtsfeier, 2025 mit rund 200 Teilnehmenden im Ahorn-Berghotel. Für 2026 macht das zusammen rund 9.000 € — bevor WIR³ überhaupt existierte, lief diese Förderung schon.

WIR³ kommt jetzt oben drauf: Allein die städtische Zuweisung an den IB (18.053,28 € 2025, 23.000 € 2026) liegt schon im ersten vollen Jahr über dem Doppelten dieser bestehenden Seniorenförderung — zusätzlich zu ihr, nicht statt ihr.

Zum Vergleich, was die Stadt Kindern und Jugendlichen insgesamt zur Verfügung stellt: Der Etat für die „Jugendclubs" liegt laut Haushaltsplan 2026 bei 96.950 € (88.650 € im Vorjahr) — absolut also deutlich mehr als beides zusammen. Das haben wir in unserem eigenen Jugendarbeit-Artikel bereits ausführlich dargestellt, und in absoluten Zahlen stimmt es: Kinder- und Jugendarbeit wird in Friedrichroda nicht vernachlässigt. Aber dieses Geld fließt in ein bestehendes, eigenständiges Angebot — das Kinder- und Jugendzentrum (JuZ) in der Bahnhofstraße —, nicht in WIR³. Nach der eigenen Programmbeschreibung des JuZ richten sich die wöchentlichen festen Angebote dort an Grundschulkinder (Spiele-AG) sowie, als Sprechzeiten statt eigenem Programm, an „Jugendliche und Eltern". Ein eigenständiges, regelmäßiges Format speziell für ältere Jugendliche ab etwa 15 Jahren oder für junge Erwachsene ist in den uns vorliegenden Quellen — weder beim JuZ noch bei WIR³ — nicht zu finden.

Im Ort ist oft zu hören: Ältere Jugendliche fänden das Jugendclub-Angebot „nicht mehr cool" und blieben fern. Eine belastbare Quelle dafür haben wir bislang nicht. Das wäre eine Vermutung, keine geprüfte Tatsache — deshalb nehmen wir sie hier bewusst nicht als Fakt auf.

Was sich dagegen sauber belegen lässt: Für Kinder gibt es JuZ und Kitas. Für Senioren gibt es die bestehende Zuwendung und jetzt zusätzlich WIR³. Für die Altersgruppe dazwischen fehlt ein vergleichbar dediziertes, neu geschaffenes Angebot. WIR³ hätte dem Namen nach genau diese Lücke mit schließen können. Laut Programm tut es das nicht.

Was auch für WIR³ spricht

Fairerweise gehört dazu: Die Stadt hätte die Begegnungsstätte auch in eigener Regie mit eigenem Personal betreiben können — stattdessen holte sie sich einen bereits etablierten, erfahrenen Träger der Seniorenarbeit ins Boot, statt bei null anzufangen. Das ist eine nachvollziehbare, risikoärmere Entscheidung, kein Beleg für schlechtes Wirtschaften. Der Ausstellungsraum ist ausdrücklich öffentlich und touristisch gedacht, nicht nur für eine Altersgruppe. Und drei Jahre Vertragslaufzeit mit Verlängerungsoption bedeuten: Das ist ausdrücklich als Pilotprojekt angelegt, nicht als fertiges Ergebnis — Nachjustieren beim Programm ist vertraglich noch möglich, ohne dass gleich alles neu verhandelt werden müsste.

Quellen

  • Kurzbeschreibung Begegnungsstätte WIR³ und Zuwendungsbescheid Nr. RAG GO LPRO 2025-08 (Az. 45-7286), Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, 07.07.2025 – PDF-Übersicht bei der Stadt Friedrichroda, abgerufen 24.08.2026. Ausstellungsraum: Gesamtkosten 19.968,20 €, LEADER-Förderung 12.979,33 €
  • Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda, Niederschrift Sitzung Stadtrat 28.10.2025, TOP 12, Beschluss STR/VIII/2025/082 (Betreibervertrag Stadt Friedrichroda ./. IB Mitte gGmbH) – Sitzung: Betreiberwahl, Vertragslaufzeit, Öffnungszeiten, Eröffnungsdatum
  • Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda, Niederschrift Sitzung Stadtrat 27.11.2025, TOP 14, Beschluss STR/VIII/2025/095 (Außerplanmäßige Ausgaben) – Sitzung: städtischer Zuweisungsanteil 30 %, Betrag 18.053,28 € für 2025
  • Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda, Niederschrift Sitzung Ausschuss für Kur, Kultur, Tourismus, Umwelt und Soziales, 12.02.2026 – Sitzung: wörtliches Zitat zur Werbehoheit ausschließlich beim IB; die Einordnung zu Korrekturen ist unsere eigene Schlussfolgerung, kein Zitat
  • Haushaltsplan 2026 der Stadt Friedrichroda, Einbringung 30.10.2025, Haushaltsstelle 1.35500 (Begegnungsstätte) und Haushaltsstelle 43100 (Soziale Einrichtungen) – öffentlich im Ratsinformationssystem: Ansatz 2025 für die geplante Eigenbetreibung 91.000 €, Ansatz 2026 nach Umstellung auf IB-Betrieb 30.000 € (davon 23.000 € Zuweisung IB); bestehende Seniorenförderung rund 9.000 € pro Jahr seit mindestens 2019
  • Alle sieben öffentlichen Niederschriften des Stadtrates von Januar bis Juli 2026 (29.01., 05.03., 07.05., 02.07.2026 sowie die genannten KKTUS-Sitzungen), Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda – auf eine Änderung der Öffnungszeiten von WIR³ geprüft, keine gefunden
  • Pressemitteilung des Landratsamtes Gotha zur Förderscheck-Übergabe im Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen" – lsz-thueringen.de/news, abgerufen 24.08.2026: LSZ-Förderung 2026 rund 42.100 €, Betrieb „seit Ende vergangenen Jahres" durch Stadt und IB Mitte gGmbH
  • Schubert-Deister: frühe Werke im WIR³ – dort zuerst dokumentierter Widerspruch bei den Öffnungszeiten
  • Wohin gehen Ihre Steuern? und Was Digitalisierung in Friedrichroda wert ist – Haushaltszahlen und Zitate zur knappen Kassenlage
  • Jugend hat hier einen Platz – eigener Artikel zum Jugendetat (88.650 € 2025, 96.950 € 2026) und zum Programm des Kinder- und Jugendzentrums, unter anderem zur gemeinsam mit WIR³ veranstalteten Handysprechstunde
  • Stellenausschreibungen der Stadt Friedrichroda, veröffentlicht 30.07.2026 – friedrichroda-news.de/rathaus/stellenausschreibungen: „Sachbearbeiter (m/w/d) Ordnungsverwaltung", unbefristet ab 01.11.2026
  • Eigener Veranstaltungskalender von Friedrichroda-News, gespeist aus dem öffentlichen Terminkalender der Stadt – friedrichroda-news.de/kalender, Auswertung von 22 Terminen in der Begegnungsstätte WIR³, Juli bis September 2026, abgerufen 24.08.2026
Fazit

„Generationsübergreifend" ist der Name, nicht der Alltag. Die Stadt wollte die Begegnungsstätte ursprünglich selbst stemmen. Sie ruderte dann zurück und übergab sie einem externen Träger — zu einem Drittel der ursprünglich geplanten Kosten. Einen ausdrücklich genannten Grund dafür können wir nicht belegen. Aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Aus unserer Sicht wirkt es, als sei am Ende wichtiger gewesen, überhaupt etwas vorzuweisen, als ein wirklich durchdachtes Angebot für alle Generationen aufzubauen.
Der gewählte Betreiber wurde ausdrücklich als Träger der Seniorenarbeit gewonnen. Das Programm zeigt fast durchgehend genau das: Stricken, Handysprechstunde, Plauderbank. Die Angebote selbst sind nicht falsch oder überflüssig. Aber für Kinder, für Jugendliche über dem Grundschulalter, für junge Erwachsene oder Familien bleibt so gut wie nichts. Selbst der eine Termin, der zwei Generationen zusammenbringt, ist ein Hilfsangebot von jung an alt — kein gemeinsames Format, keines, das sich an junge Menschen selbst richtet.
Dabei bestand für ältere Menschen in Friedrichroda schon vorher eine eigene, seit Jahren stabile Förderung. WIR³ kommt jetzt oben drauf: rund 48.000 € städtisches Geld in eineinhalb Jahren, geschätzt bis zu 71.000 € über die volle Vertragslaufzeit. Für die Altersgruppe dazwischen — weder Kinder noch Senioren — gibt es in beiden Einrichtungen kein vergleichbares eigenes Format. Dass zwei verschiedene Öffnungszeiten seit Monaten unwidersprochen nebeneinanderstehen, ist dabei nur ein kleines Symptom eines größeren Musters.
Das alles macht WIR³ nicht grundsätzlich falsch. Es ist ein Pilotprojekt mit Verlängerungsoption, kein fertiges Ergebnis, und Nachjustieren ist noch möglich. Aber ein Angebot, das einen erheblichen Teil der Generationen, für die es benannt ist, schlicht nicht mitdenkt, hat sich den Namen „für alle Generationen" noch nicht verdient. (Meinung der Redaktion, getrennt von den Fakten.)

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