Jugend hat hier einen Platz: Was in Friedrichroda für Kinder und Jugendliche läuft
Offener Treff, Computer-AG, ein Ferienlager an der Ostsee, ein eigener Jugendbeirat und Ausflüge bis ins Phantasialand: In Friedrichroda läuft für Kinder und Jugendliche ein volles Jahresprogramm. Wir listen auf, was 2026 schon lief und was bis Jahresende noch kommt. Alles belegt aus dem Programm des JuZ.
Wir schauen oft dorthin, wo es hakt. Fairness heißt für uns aber auch, zu zeigen, wo etwas gut läuft. Und für Kinder und Jugendliche läuft in Friedrichroda ein erstaunlich volles Programm: ein offener Treff mit festen Ansprechpartnern, wöchentliche AGs, ein durchgetaktetes Ferienjahr mit Ausflügen und Ferienlagern, dazu ein eigener Jugendbeirat. Wir haben zusammengetragen, was 2026 schon lief und was bis zum Jahresende noch kommt. Alle Angaben stammen aus dem Programm des Kinder- und Jugendzentrums; die Quellen nennen wir am Ende.
Ein Hinweis vorweg zur Einordnung: Jugendarbeit findet in Friedrichroda auch in den zahlreichen Vereinen statt, im Sport, bei den Feuerwehren, in Musik und Kultur. Dieser Artikel zeigt aber bewusst nur, was die Stadt selbst auf die Beine stellt. Die ebenso wichtige Arbeit der Vereine nehmen wir uns gesondert vor.
Ein fester Anlaufpunkt: das JuZ
Herzstück der Kinder- und Jugendarbeit ist das Kinder- und Jugendzentrum, kurz JuZ, in der Bahnhofstraße 36a. Es ist der offene Treffpunkt zum Abhängen, Reden und Mitmachen. Um alle Themen rund um Kinder und Jugendliche kümmert sich Jugendsozialarbeiterin Annabell Moreno Leyva vom Kreisjugendring Gotha e.V., und das schon seit 2012. Das ist ein Stück Verlässlichkeit, das in der Jugendarbeit viel wert ist. Alle Angebote, Öffnungszeiten und Termine stehen auf der eigenen JuZ-Seite; zu finden ist das JuZ außerdem auf Instagram unter @jugendzentrum_friedrichroda, wo alle Termine noch einmal einzeln mit Details angekündigt werden.
Das läuft jede Woche
Neben dem offenen Treff gibt es ein festes wöchentliches Angebot: eine Spiele-AG für Grundschulkinder und feste Sprechzeiten für Jugendliche und Eltern. Einmal im Monat lädt die Jugendsozialarbeiterin außerdem zur „Handy-Sprechstunde" ins Mehrgenerationenhaus WIR³ ein. Unter dem Motto „Gemeinsam digital, von Generation zu Generation" werden dort alle am eigenen Handy fit. Und mit der JuZ SpielBar kann man sich Outdoor-Spiele für Feste, Geburtstage und Aktionen ausleihen: ein Angebot, das über den Treff hinaus der ganzen Stadt zugutekommt. Und dienstags gibt es das „App.Lab", eine Computer-AG in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Unit.
Das Ferienjahr 2026
Besonders sehen lassen kann sich das Ferienprogramm. In den Winterferien (16. bis 20. Februar) gab es Tagesausflüge, einen eigenen Ausflug des Jugendbeirats und einen Thementag des Kreisjugendrings. In den Osterferien (7. bis 17. April) standen Tagesausflüge und eine Übernachtung in der Regelschule Friedrichroda auf dem Plan; dazu kam mit den „Power Kids" ein Aktionstag zu Kinderrechten. Ausflüge führten unter anderem zur Falknerei am Funpark Inselsberg, zu einem Escape-Tag nach Weimar und zu einem Besuch bei „Gamern" in Kassel.
Das Highlight waren die Sommerferien, gleich über sechs Wochen: eine Projektwoche (6. bis 10. Juli), ein Ferienlager in Finsterbergen (12. bis 17. Juli), ein Ferienangebot vor Ort (20. bis 24. Juli), ein Ferienlager an der Ostsee (27. Juli bis 6. August) und zum Abschluss noch einmal ein Ferienangebot vor Ort (10. bis 14. August). Ein Programm, das kaum eine Lücke lässt und Kindern aus allen Familien Ferien mit Erlebnissen, Verpflegung und Betreuung ermöglicht.
Junge Stimmen mit Gewicht: der Jugendbeirat JFF
Besonders bemerkenswert finden wir den Jugendbeirat „JFF – Jugend für Friedrichroda", den ersten Jugendbeirat der Stadt überhaupt. Über ihn werden Kinder und Jugendliche an der Stadtpolitik beteiligt, rechtlich abgesichert durch § 26a der Thüringer Kommunalordnung. Das ist ein direkter Weg, auf dem junge Ideen bis in den Stadtrat gelangen, und keine Alibiveranstaltung.
Was der Beirat bewegt, kann sich sehen lassen. Er hat eine „Free Wall" gestaltet, eine legale Wand für Straßenkunst, hat eine Halloween-Party für Jugendliche auf die Beine gestellt, eigene JFF-T-Shirts entworfen und formelle Empfehlungen an die Stadtspitze eingebracht. Und er hat einen langen Atem bewiesen. Gemeinsam mit der Jugendsozialarbeiterin brachte der Beirat am 7. Mai 2026 einen eigenen Antrag in den Stadtrat ein: Bei der Freizeitgestaltung soll rund um einen geplanten Pumptrack eine Fläche für Jugendliche berücksichtigt werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.
Wer mitmachen will, ist willkommen: Der Beirat trifft sich regelmäßig im JuZ, und jede junge Stimme zählt. Genau hier entscheidet sich, ob aus „das müsste mal jemand machen" ein „das haben wir gemacht" wird.
Ein Projekt zum Anfassen: der Pumptrack
Aus der Initiative des Jugendbeirats ist inzwischen ein konkretes Vorhaben geworden. Der Pumptrack ist im Haushalt 2026 eingeplant, die Sache wurde im Stadtrat aufgegriffen. Eine endgültige Fläche ist noch nicht gefunden, Rat und Jugendliche sind weiter im Gespräch. Aber die Richtung stimmt: Ein Wunsch aus der Jugend ist auf dem Weg, Wirklichkeit zu werden, und er trägt die Handschrift derer, die ihn nutzen werden.
Was bis Jahresende noch kommt
Das Jahr ist noch lange nicht vorbei. Im Jahreskalender des JuZ stehen bis Dezember noch mehrere Höhepunkte: ein Familienausflug ins Phantasialand (voraussichtlich 26. September), die Herbstferien mit Tagesausflügen (12. bis 23. Oktober), eine Halloween-Teenie-Party am 30. Oktober und im November ein Weihnachtsshopping in einer Großstadt (voraussichtlich 28. November). Dazu laufen die wöchentlichen AGs und die monatliche Handy-Sprechstunde weiter.
Zur Einordnung: Diese Termine stammen aus dem vom JuZ selbst veröffentlichten Jahresausblick 2026. Das JuZ kündigt jede Veranstaltung noch einmal einzeln mit allen Details an; erst dann ist auch eine Anmeldung möglich. Einzelne Termine können sich also noch ändern.
Was die Stadt investiert
Und was lässt sich die Stadt die Jugendarbeit kosten? Im Haushalt gibt es dafür einen eigenen Posten (den Unterabschnitt „Jugendclubs"). Angesetzt sind 88.650 Euro für 2025 und 96.950 Euro für 2026. Der Etat ist also leicht gewachsen. Das sind jeweils rund 0,6 Prozent des gesamten Verwaltungshaushalts (2026: gut 16,3 Millionen Euro).
Wichtig zur Einordnung, damit kein falscher Eindruck entsteht: Das ist kein Gehalt. Es ist der gesamte Etat des Bereichs, und er fließt in Ferienlager und Ferienfreizeiten, in Ausflüge, Material und Veranstaltungen sowie in die Zuweisung an den Kreisjugendring Gotha, der die Betreuung vor Ort stellt. Niemand verdient diese Summe. Sie steckt in den Angeboten für die Kinder und Jugendlichen selbst. Einen guten Teil davon holt die Stadt über Teilnahmebeiträge, etwa für das Ferienlager, und über Zuschüsse auch wieder herein.
Nicht mitgezählt ist hier die Kinderbetreuung: Die Kitas sind mit über drei Millionen Euro zwar der weitaus größte Familien-Posten im Haushalt, laufen aber als eigener Bereich und über andere Träger. Mit Jugendarbeit im engeren Sinne hat das nichts zu tun.
Auch das gehört dazu: günstiger Eintritt für Kinder
Nicht direkt Jugendarbeit, aber ein spürbares Signal an die Familien: Seit dem 5. März 2026 zahlen Kinder von 6 bis 16 Jahren, die in Friedrichroda wohnen, in den Freibädern, in der Marienglashöhle und in den Museen nur noch einen Euro Eintritt. Kinder bis fünf Jahre kommen frei hinein. Das macht die Angebote der Stadt für die Jüngsten erschwinglich und passt zu einer Haltung, die Kinder und Jugendliche mitdenkt.
Ein Wermutstropfen: schwer zu finden
Das Programm ist stark. Auffindbar ist es aber leider nur, wenn man weiß, wo man suchen muss. Das lebendige Herz der Jugendarbeit, also Jahreskalender, Öffnungszeiten und Anmeldungen, liegt auf einer externen Seite (jugendarbeit-2go.jimdosite.com) und auf Instagram. Auf der Internetseite der Stadt Friedrichroda findet sich dagegen nur ein kurzer, ausdrücklich als „gekürzt" markierter Eintrag: ohne Öffnungszeiten, ohne Programm, ohne Link zur JuZ-Seite und ohne Verweis auf den Instagram-Kanal. Das Feld „Kontakt/Adresse" ist sogar leer.
Wer als Familie auf der offiziellen Stadtseite nach den Angeboten sucht, wird also kaum fündig und muss den Umweg über Suchmaschine oder soziale Medien nehmen. Für eine so starke Jugendarbeit ist das schade, denn das beste Programm nützt wenig, wenn es die Menschen nicht finden. Wir schauen beim Thema Digitalisierung der Stadt in nächster Zeit noch genauer hin und erklären dann, woran es aus unserer Sicht hakt.
Danke für den Raum
Damit Jugendarbeit überhaupt einen Ort hat, braucht es zuerst ein Dach über dem Kopf. Das Gebäude für das JuZ in der Bahnhofstraße 36a vermietet die Autolackiererei Weber, die gleich nebenan in der Bahnhofstraße 36b ihren Sitz hat. Dass ein ortsansässiges Unternehmen der Jugend auf so praktische Weise einen Platz gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist genau die Art von Rückhalt, die eine Stadtgesellschaft trägt. Dafür ein herzliches Dankeschön.
Eine eigene Internetseite hat die Firma nicht. Erreichbar ist der Autolackservice Weber (Karosserie- und Lackierwerkstatt) in der Bahnhofstraße 36b, 99894 Friedrichroda, Telefon 03623 3590902.
Unser Fazit
Jugendarbeit ist selten laut. Sie besteht aus offenen Türen, verlässlichen Ansprechpartnern und der Geduld, jungen Menschen wirklich zuzuhören. In Friedrichroda gibt es dafür einen festen Ort, mit Annabell Moreno Leyva ein bekanntes Gesicht, ein volles Jahresprogramm und mit dem Jugendbeirat einen Weg, auf dem junge Ideen bis in den Stadtrat gelangen und dort etwas bewegen. In die Jugend zu investieren heißt, in die Zukunft der Stadt zu investieren. Genau das passiert hier.
Schaut im JuZ vorbei und bringt euch im Jugendbeirat ein. Und sagt uns: Was soll die Jugendarbeit als Nächstes anpacken?
Quellen
Kinder- und Jugendzentrum Friedrichroda, Jahresausblick 2026 (Ferienprogramm, Ausflüge, Termine) und Instagram-Profil @jugendzentrum_friedrichroda; Seite „JFF – Jugend für Friedrichroda" und Öffnungs- und Angebotsplan des JuZ (Bahnhofstraße 36a, Jugendsozialarbeiterin Annabell Moreno Leyva seit 2012); § 26a Thüringer Kommunalordnung und Hauptsatzung der Stadt (Jugendbeirat); öffentliche Niederschrift der Stadtratssitzung vom 7. Mai 2026 (Antrag des Jugendbeirats zur Pumptrack-Fläche, einstimmig; Pumptrack im Haushalt 2026); Niederschrift vom 5. März 2026 (Ein-Euro-Eintritt für Friedrichrodaer Kinder); Haushaltsplan 2026 der Stadt Friedrichroda, Kurzfassung Verwaltungshaushalt (Vorlage STR/VIII/2025/083 vom 27.11.2025), Unterabschnitt 4600 „Jugendclubs": Ausgaben 96.950 € (2026) und 88.650 € (2025, Vorjahresansatz), Verwaltungshaushalt gesamt 16.350.100 € (2026) bzw. 15.341.950 € (2025).
Jugendarbeit ist selten laut, aber sie trägt. In Friedrichroda gibt es einen festen Ort, ein durchgeplantes Jahresprogramm und mit dem Jugendbeirat einen Weg, auf dem junge Ideen direkt in die Stadtpolitik gelangen. In die Jugend zu investieren heißt, in die Zukunft der Stadt zu investieren. Und hier passiert genau das.