News-Bericht

Was Digitalisierung Friedrichroda wert ist

13.000 Euro stehen im Haushalt für Digitalisierung — achtmal weniger als für Feste. Wir rechnen nach, was das kostet: für die Stadtkasse, für Hotels, Pensionen und Cafés. Und wir messen, mit welcher Reichweite Friedrichroda überhaupt ins Netz geht. Teil 2 von zwei, mit Note.

13.000 €
für Digitalisierung im Haushalt 2026
weniger als die Website allein gekostet hat
5.680
Follower auf allen Kanälen
bei 7.352 Einwohnern
5 Stellen
hätte die Kurtaxe-Erhöhung finanziert
311.650 € mehr, keine davon für Gästegewinnung
2 von 10
unsere Note für Mitteleinsatz
und Außenwirkung

In Teil 1 haben wir nachgemessen, wie es um die Digitalisierung im Rathaus steht: 35 Formulare zum Ausdrucken, kein Online-Antrag, ein Cookie-Hinweis aus Blindtext, und ein Melde-Button, der seit fünf Monaten durch die Gremien wandert. Unsere Note für den Zustand: 3 von 10.

Bleibt die Frage nach dem Warum — und nach dem Preis. Denn Digitalisierung ist für einen Kurort keine Verwaltungsfrage, sondern eine wirtschaftliche. Wer Gäste gewinnen will, muss dort sichtbar sein, wo sie suchen.

Wir haben deshalb den Haushaltsplan 2026 ausgewertet und die Kanäle der Stadt vermessen. Und wir rechnen vor, was ein anderes Vorgehen bringen würde — offen, mit genannten Annahmen, damit jeder nachrechnen und widersprechen kann.

Weniger Follower als Einwohner

Fangen wir mit der Zahl an, die alles andere einordnet.

Friedrichroda hat nach dem eigenen Haushaltsplan 7.352 Einwohner. Auf seinen drei Kanälen zusammen — Instagram, Facebook, YouTube — kommt der Kurort auf 5.680 Follower. Und weil vielen Menschen mehreren dieser Kanäle folgen, ist die Zahl der tatsächlich erreichten Personen noch kleiner.

Ein Ort, der vom Tourismus lebt, erreicht im Netz also weniger Menschen, als er Einwohner hat. Rein rechnerisch könnte die gesamte Reichweite des Kurortes aus Friedrichrodaern bestehen — aus Leuten also, die ohnehin hier wohnen und keine Übernachtung buchen.

Wie wenig das ist, zeigt der Vergleich mit den eigenen Leuten. In unserem Artikel über die Talente aus Friedrichroda haben wir Menschen vorgestellt, die von hier kommen. Das erreichen sie auf je einem einzigen Kanal:

  • Vanessa Göcking, Autorin und Podcasterin: rund 51.000 Follower
  • Svenja alias Fräulein Öko, Nachhaltigkeit und Faktenchecks: rund 43.000
  • Mary & Piwo, Katzen-Content: rund 42.000
  • Sylvia Leifheit, Schauspiel und Moderation: rund 34.000
  • Max Langenhan, Rennrodler und Olympiasieger 2026: rund 13.000

Jede einzelne dieser Personen erreicht mehr Menschen als die Stadt Friedrichroda mit Instagram, Facebook und YouTube zusammen. Allein die ersten drei kommen auf rund 136.000 — das Vierundzwanzigfache.

Und weil man es einmal aussprechen muss: Ein Katzen-Kanal aus Friedrichroda hat mehr als sieben Mal so viele Follower wie der Heilklimatische Kurort Premium Class. Zwei Katzen schlagen das gesamte Stadtmarketing.

Es geht dabei nicht um einen Wettbewerb, und niemand erwartet von einer Verwaltung Katzenvideos. Es geht um die Größenordnung. Was Friedrichroda an digitaler Sichtbarkeit aufbietet, schaffen Privatpersonen aus dem Ort nebenbei — um ein Vielfaches. Die Reichweite liegt im Ort, sie liegt nur nicht bei der Stadt.

Das Geld: 13.000 Euro

Bleibt die Frage, woran es liegt. Wir haben den Haushaltsplan 2026 ausgewertet — er ist selbst ein 194 Seiten langer Bild-Scan ohne Textebene, wir mussten ihn erst maschinell lesbar machen. Was dann darin steht, ist deutlich.

Der Verwaltungshaushalt der Stadt umfasst 2026 16.350.100 Euro. Für die Digitalisierung der Verwaltung sind darin 13.000 Euro vorgesehen. Das sind 0,08 Prozent — acht Hundertstel eines Prozents.

Und auch diese 13.000 Euro gehen nicht in Bürgerdienste. Der Vorbericht nennt den Zweck: „ein ergänzendes Modul für die automatisierte Einlesung und Verarbeitung der Bankbewegungen". Also die Kontoauszüge der Kämmerei.

Zur Einordnung gehört die Website selbst. Sie hat 19.444,60 Euro gekostet — beschlossen am 27. März 2025 als außerplanmäßige Ausgabe, gedeckt aus der allgemeinen Rücklage, weil im Haushalt nichts dafür eingestellt war. Die Stadt hatte drei Angebote eingeholt, bbsMEDIEN war laut Vorlage „das mit Abstand günstigste". Das ist solide gewirtschaftet.

Nur: Damit hat die Stadt für eine Internetseite mehr ausgegeben als für die gesamte Digitalisierung ihrer Verwaltung in einem ganzen Jahr — und die Seite kam nicht aus einem Plan heraus, sondern weil der alte Systemanbieter Ende 2024 Support und Updates eingestellt hatte und Sicherheitslücken drohten. Es war eine Reparatur, keine Investition.

Zum Vergleich, im selben Haushalt:

  • 1.183.500 Euro Ausgaben für die Kurverwaltung
  • 134.600 Euro für die Schlosskapelle Reinhardsbrunn
  • 103.500 Euro für Feste, Jubiläen und Veranstaltungen
  • 90.000 Euro Zuweisung an den Linienverkehr für die Kurkarte
  • 13.000 Euro für die Digitalisierung der gesamten Verwaltung

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Für Feste im eigenen Ort gibt die Stadt achtmal so viel aus wie dafür, überhaupt Gäste zu gewinnen. Die Kurverwaltung bekommt das Einundneunzigfache.

Feste sind nichts Schlechtes, im Gegenteil. Aber sie erreichen vor allem Menschen, die ohnehin schon hier sind oder in der Nähe wohnen. Wer entscheidet, ob er seinen Urlaub in Friedrichroda oder in Oberhof bucht, entscheidet das am Bildschirm — Wochen vorher, hunderte Kilometer entfernt. Genau dort ist Friedrichroda mit 13.000 Euro unterwegs, die nicht einmal für Gäste gedacht sind, sondern für Kontoauszüge.

Was 100.000 Euro bringen würden

Man kann ausrechnen, was Digitalisierung einem Kurort wert sein müsste. Wir tun das hier offen, mit genannten Annahmen — es ist eine Modellrechnung, keine Prognose. Jeder kann sie nachrechnen und jede Annahme bestreiten.

Die Eingangsgrößen. Der Kurbeitrag beträgt seit Januar 2026 3,50 Euro pro Übernachtung. Die Stadt rechnet für 2026 mit 1.011.650 Euro Kurtaxe, das entspricht rund 289.000 beitragspflichtigen Übernachtungen im Jahr. Ein Übernachtungsgast in Thüringen gibt pro Tag im Schnitt 116 Euro aus, in gewerblichen Betrieben sogar 143,90 Euro — das hat das dwif-Institut 2024 für den Freistaat erhoben. Und dieselbe Studie beziffert, was davon bei den Kommunen ankommt: „zwischen einem und weit mehr als drei Prozent der dort realisierten touristischen Nettoumsätze".

Die Rechnung. Nehmen wir an, die Stadt investiert einmalig 100.000 Euro in Digitalisierung: Online-Anträge über das Landessystem, eine auffindbare Buchungs- und Informationsstrecke, gepflegte Daten in den Portalen, ein Kanal, der Gäste dort abholt, wo sie suchen.

  • Über die Kurtaxe allein hat sich die Investition nach 28.572 zusätzlichen Übernachtungen bezahlt gemacht. Das sind knapp zehn Prozent eines Jahres — oder, über fünf Jahre verteilt, rund zwei Prozent mehr Übernachtungen pro Jahr.
  • Diese 28.572 Übernachtungen bedeuten für Gastgeber, Gastronomie und Einzelhandel im Ort einen Bruttoumsatz von etwa 3,3 Millionen Euro, netto rund 2,9 Millionen.
  • Nach der dwif-Größenordnung fließen davon zusätzlich 29.000 bis 88.000 Euro an kommunalen Steuern zurück — obendrauf auf die Kurtaxe.

Unterm Strich: Aus 100.000 Euro werden 129.000 bis 188.000 Euro für die Stadtkasse und gut drei Millionen Euro Umsatz für die Unternehmen im Ort. Nötig dafür sind zwei Prozent mehr Übernachtungen pro Jahr.

Zwei Prozent. Bei einer Kurtaxe, die von 573.000 Euro im Jahr 2024 auf geplante 1.011.650 Euro im Jahr 2026 gestiegen ist, also bei ohnehin wachsender Nachfrage.

Eine Stelle statt einer Erhöhung: was wäre gewesen?

Es gibt eine zweite Rechnung, die noch näher liegt. Die Stadt hat den Kurbeitrag zum 5. Januar 2026 auf 3,50 Euro erhöht. Die geplanten Kurtaxe-Einnahmen steigen dadurch von 700.000 Euro im Jahr 2025 auf 1.011.650 Euro — ein Plus von 311.650 Euro.

Was hätte man mit diesem Plus tun können?

Eine Vollzeitstelle für digitale Kommunikation und Tourismusmarketing kostet eine Kommune, je nach Eingruppierung, etwa 55.000 bis 70.000 Euro im Jahr einschließlich Arbeitgeberanteilen. Das ist unsere Annahme, keine Zahl aus dem Haushalt — rechnen wir konservativ mit 60.000 Euro.

Damit gilt: Die Kurtaxe-Erhöhung allein hätte fünf solcher Stellen finanziert. Eine einzige Stelle kostet 19 Prozent des Zuwachses. Die übrigen 81 Prozent blieben unangetastet.

Wann rechnet sich eine solche Stelle? Sie muss sich, anders als eine einmalige Investition, jedes Jahr aufs Neue tragen. Bei 3,50 Euro Kurbeitrag sind das 17.143 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr — knapp sechs Prozent mehr als heute. Ab da trägt sich die Stelle allein aus der Kurtaxe.

Was hätten die Betriebe davon? In Friedrichroda und den Ortsteilen gibt es nach unserer Zählung 46 Hotels, Pensionen und Ferienunterkünfte sowie 18 gastronomische Betriebe. Die 17.143 zusätzlichen Übernachtungen bedeuten rund 1,99 Millionen Euro Bruttoumsatz im Ort. Nach der dwif-Aufteilung fallen 64,2 Prozent der Ausgaben von Übernachtungsgästen im Gastgewerbe an — das sind 1,28 Millionen Euro, verteilt auf diese 64 Betriebe also im Schnitt rund 20.000 Euro Mehrumsatz pro Betrieb und Jahr. Die restlichen gut 700.000 Euro gehen in Einzelhandel und Dienstleistungen: in die Bäckerei, den Friseur, die Apotheke, den Getränkemarkt.

Was hätte die Stadt davon? Zunächst die 60.000 Euro Kurtaxe, mit denen die Stelle bezahlt ist. Dazu, nach der dwif-Größenordnung von einem bis über drei Prozent der Nettoumsätze, weitere 17.000 bis 52.000 Euro an kommunalen Steuern. Und das Jahr für Jahr, nicht einmalig.

Der Unterschied zur Erhöhung des Kurbeitrags ist grundsätzlich: Eine Erhöhung nimmt mehr Geld von denselben Gästen. Eine Fachkraft holt mehr Gäste. Das eine belastet die Gastgeber im Wettbewerb, das andere hilft ihnen. Beides bringt der Stadt Geld — nur eines bringt es auch den Betrieben.

Wir behaupten nicht, dass eine einzelne Stelle sechs Prozent mehr Übernachtungen garantiert. Wir stellen fest: Die Stadt hat die Einnahmen erhöht, ohne erkennbar in die Gewinnung von Gästen zu investieren. Für einen Ort, der von Gästen lebt, ist das die falsche Reihenfolge.

Was an diesen Rechnungen unsicher ist, sagen wir dazu: Niemand kann garantieren, dass eine digitale Investition genau diese Zusatzübernachtungen bringt. Die dwif-Werte sind Landesdurchschnitte, keine Friedrichrodaer Messwerte. Die Steuerspanne von einem bis über drei Prozent ist weit. Und ein Teil des Nutzens landet bei den Betrieben, nicht im Rathaus — was den Kämmerer weniger freut als den Gastwirt.

Aber selbst am unteren Rand jeder Annahme gilt: Der Betrag, um den es geht, ist um ein Vielfaches größer als die 13.000 Euro, die im Haushalt stehen. Und die Kurtaxe fließt zuverlässig, Nacht für Nacht, ohne Prognoseunsicherheit — 3,50 Euro, jedes Mal.

Das ist keine Unterstellung von außen. Die Stadt schreibt es in ihrem eigenen Vorbericht, unterzeichnet von der Leiterin der Finanzverwaltung am 17. November 2025, in bemerkenswerter Klarheit:

Aus Kapazitätsgründen ist es der Stadt in 2025 nicht gelungen, die Digitalisierung voranzutreiben."

Und weiter, für das laufende Jahr: „Die Weiterentwicklung des Informationsmanagement-System (ISMS) und des Dokumenten-Management-System (DMS) verzögert sich. Ebenso das Ziel der medienbruchfreien Bearbeitung und Versendung von Online-Anträgen, Rechnungen und die elektronische Akte." Und: „Das Einführen der elektronischen Akte wird verschoben."

Medienbruchfreie Online-Anträge — genau das, was den Gang ins Rathaus ersparen würde — sind also ein Ziel, das ausdrücklich verschoben wird. Die elektronische Akte ebenfalls.

Für einen Kurort ist das eine schwer erklärbare Gewichtung. Friedrichroda nimmt gut eine Million Euro Kurtaxe ein und lebt von Gästen, die Unterkunft, Anreise und Freizeit selbstverständlich per Handy organisieren. Wer eine Ferienwohnung vermieten will, muss sie mit einem ausgedruckten Formular anmelden. Das passt nicht zusammen — nicht mit dem Anspruch, und nicht mit dem Publikum.

Die Kanäle: Womit die Stadt in die Welt geht

Ein Kurort wirbt heute nicht mehr mit Prospekten allein. Wer entscheidet, wohin er fährt, sieht vorher Bilder — auf dem Handy. Wir haben deshalb angesehen, mit welcher Reichweite Friedrichroda dort auftritt. Alle Zahlen abgerufen am 14. August 2026.

  • Instagram, @stadt_friedrichroda: 1.852 Follower, 165 Beiträge
  • Facebook, Stadt Friedrichroda: 2.058 Follower
  • YouTube, „Natürlich Friedrichroda": 1.770 Abonnenten, 48 Videos
  • Instagram, @schloss_reinhardsbrunn: 247 Follower, 83 Beiträge

Zusammen also gut 5.600 Verbindungen, wobei viele Menschen mehreren Kanälen folgen dürften — die Zahl der erreichten Personen liegt darunter.

Zur Einordnung ein Vergleich aus dem Ort selbst: Der Thüringer Bergteufel e.V., ein ehrenamtlicher Verein, kommt auf 5.505 Follower bei Facebook und 1.185 bei Instagram. Ein Verein, der das nebenher macht, hat auf Facebook also mehr als das Doppelte der Reichweite des Kurortes, der davon lebt.

Beim YouTube-Kanal fällt die Schlagzahl auf. Nach dem öffentlichen Kanal-Feed folgte auf ein Video vom Juli 2022 die nächste Veröffentlichung im November 2025 — dazwischen liegen mehr als drei Jahre. Seither erscheint wieder regelmäßiger etwas, zuletzt im Juli 2026. Der Kanalname trägt bis heute die Jahreszahl 2022.

Und dann ist da Reinhardsbrunn. Die Stadt hat für Schlosskapelle und Schlosspark eine eigene Entgelt- und Benutzungsordnung beschlossen — sie ging zwischen Oktober und November 2025 durch fünf Gremiensitzungen. Im Haushalt 2026 stehen 134.600 Euro Ausgaben und 136.800 Euro erwartete Einnahmen dafür. Die Stadt betreibt und vermarktet das Objekt also selbst.

Der einzige Instagram-Kanal zum Schloss wird trotzdem nicht von ihr geführt, sondern vom Verein KiruT Reinhardsbrunn. Er hat 247 Follower. Für eines der bekanntesten Baudenkmale Thüringens, die „Wiege Thüringens", in das die Stadt sechsstellig investiert, ist das die gesamte digitale Sichtbarkeit — getragen von Ehrenamtlichen.

Auf der städtischen Seite zum Schloss Reinhardsbrunn wird kein eigener Kanal verlinkt, nur die drei allgemeinen Kanäle der Stadt.

Was diesen Auftritten fehlt, ist nicht Mühe. Es ist ein Plan: Wer soll erreicht werden, womit, wie oft, mit welchem Ziel? Solange niemand dafür zuständig ist, bleibt es bei schönen Bildern ohne Absender-Strategie — und bei Reichweiten, die ein Verein im Nebenerwerb übertrifft.

Unsere Note für Mitteleinsatz und Außenwirkung

Wie in Teil 1 ist das unsere Einschätzung, gestützt auf die Zahlen oben.

Mitteleinsatz: 1 von 10. 13.000 Euro von 16,35 Millionen, und davon nichts für Bürgerdienste oder Gästegewinnung. Wer 1,18 Millionen für die Kurverwaltung ausgibt und 13.000 für Digitalisierung, hat eine Prioritätenentscheidung getroffen.

Nutzung des wirtschaftlichen Hebels: 1 von 10. Die Stadt hat die Einnahmen über den Kurbeitrag erhöht, statt in die Gewinnung von Gästen zu investieren. Der Hebel liegt ungenutzt da, obwohl er sich nach unserer Rechnung schon bei zwei Prozent mehr Übernachtungen trägt.

Digitale Sichtbarkeit nach außen: 3 von 10. Drei Kanäle, gut 5.600 Follower zusammen, ein YouTube-Kanal mit dreijähriger Lücke. Ein ehrenamtlicher Verein aus dem Ort hat auf Facebook mehr als die doppelte Reichweite. Für das Schloss, in das die Stadt sechsstellig investiert, führt sie keinen eigenen Kanal.

Ehrlichkeit über den eigenen Zustand: 7 von 10. Das muss man anerkennen: Die Stadt beschönigt in ihrem Haushaltsvorbericht nichts. Dass die Digitalisierung „aus Kapazitätsgründen" nicht vorankam, steht dort schwarz auf weiß. Wer das aufschreibt, weiß, wo er steht.

Gesamt für Mitteleinsatz und Außenwirkung: 2 von 10.

Gesamturteil beider Teile: 3 von 10. Die Pflicht ist halb erfüllt, vorangetrieben wurde nichts.

Unsere Meinung

Der folgende Teil ist unsere Meinung, klar getrennt von den Fakten.

Man kann einer Stadt keinen Vorwurf daraus machen, dass sie wenig Geld hat. Friedrichroda hat wenig Geld, das steht in jedem Absatz des Haushalts, und die Klage über unzureichende Landeszuweisungen ist berechtigt.

Aber genau deshalb kommt es darauf an, wohin das vorhandene Geld fließt. Und da fällt die Antwort eindeutig aus: Für Feste im eigenen Ort achtmal so viel wie dafür, Gäste zu gewinnen. Für die Kurverwaltung das Einundneunzigfache. Für die Digitalisierung 13.000 Euro, die in ein Buchhaltungsmodul gehen.

Und die knapp 20.000 Euro für die neue Seite? Die waren gut angelegt, aber sie waren erzwungen. Der alte Anbieter hatte den Stecker gezogen, die Sicherheitslücken standen im Raum. Eine Stadt, die erst handelt, wenn ihr Dienstleister den Support einstellt, betreibt keine Digitalisierung — sie betreibt Schadensbegrenzung.

Das Bittere daran ist, dass es sich rechnen würde. Nach unserer Modellrechnung trägt sich eine Fachkraft für digitale Kommunikation ab knapp sechs Prozent mehr Übernachtungen im Jahr — und bringt den Hotels, Pensionen und Cafés im Ort dann im Schnitt 20.000 Euro Mehrumsatz. Pro Betrieb. Pro Jahr. Das Geld dafür lag auf dem Tisch: Die Erhöhung des Kurbeitrags allein hätte fünf solche Stellen finanziert.

Stattdessen wurde die Einnahmenseite gedreht. Das ist der bequemere Weg, und er belastet ausgerechnet die Gastgeber, die im Wettbewerb mit Oberhof und dem Rennsteig stehen. Eine Erhöhung nimmt mehr Geld von denselben Gästen. Eine Fachkraft holt mehr Gäste. Nur eines von beiden hilft auch den Betrieben im Ort.

Und bei der Sichtbarkeit wird es fast schmerzhaft: Ein Verein, der das ehrenamtlich neben Beruf und Familie macht, hat auf Facebook mehr als doppelt so viele Follower wie der Kurort selbst. Für Schloss Reinhardsbrunn, in das die Stadt sechsstellig investiert und für das sie eine eigene Benutzungsordnung durch fünf Gremiensitzungen gebracht hat, gibt es keinen städtischen Kanal — die Sichtbarkeit dieses Denkmals hängt an 247 Followern eines Vereins.

Ein Heilklimatischer Kurort Premium Class, wie Friedrichroda sich nennt, muss im Netz präsent sein wie ein Betrieb, der von Buchungen lebt. Denn genau das ist er.

Wie es weitergeht

Ein Teil 3 folgt zur Digitalisierung im ganzen Ort: Breitband und Glasfaser in der Kernstadt und den Ortsteilen, Mobilfunkabdeckung, die Schulen und die Stadtbetriebe. Wir sind dran.

Quellen

  • Haushaltsplan 2026 der Stadt Friedrichroda, Vorbericht, unterzeichnet von der Leiterin der Finanzverwaltung am 17.11.2025 – Verwaltungshaushalt 16.350.100 €; Digitalisierung UA 06000 13.000 € für ein Modul zur automatisierten Verarbeitung von Bankbewegungen; Kurverwaltung UA 86000 1.183.500 €; Schlosskapelle UA 86002 134.600 € Ausgaben und 136.800 € Einnahmen; Feste und Jubiläen 103.500 €; ÖPNV-Zuweisung 90.000 €; Kurtaxe 1.011.650 € für 2026 gegenüber 700.000 € Plan 2025 und 573.092,72 € Ist 2024; Kurbeitrag 3,50 € ab 05.01.2026; Zitate zu Kapazitätsgründen, ISMS, DMS und elektronischer Akte. Das Dokument liegt nur als Bild-Scan vor und wurde von uns maschinell lesbar gemacht
  • Beschlussvorlage HuF/VIII/2025/006 vom 11.03.2025, beraten im Haupt- und Finanzausschuss am 27.03.2025 – Erneuerung der Website für 19.444,60 € als außerplanmäßige Ausgabe aus der allgemeinen Rücklage; Begründung mit auslaufendem Support des bisherigen Systemanbieters und Barrierefreiheit; drei Angebote eingeholt, bbsMEDIEN als günstigstes. Öffentlich im Ratsinformationssystem
  • dwif: Wirtschaftsfaktor Tourismus für den Freistaat Thüringen 2024 – Auftraggeber Thüringer Tourismus GmbH, September 2025. Tagesausgaben je Übernachtung 116 € im Mittel und 143,90 € in gewerblichen Betrieben; 64,2 % der Ausgaben von Übernachtungsgästen entfallen auf das Gastgewerbe; kommunaler Steuerrückfluss „zwischen einem und weit mehr als drei Prozent der dort realisierten touristischen Nettoumsätze"
  • Haushaltsplan 2026 der Stadt Friedrichroda, Vorbericht – Einwohnerzahl 7.352 für 2026 auf Grundlage des Zensus 2022
  • Instagram-Profile @vanessa.goecking, @fraeulein.oeko, @_marypiwo_, @sylvialeifheit und @maxlangenhan.luge – Followerzahlen laut Profilangabe, abgerufen am 14.08.2026; Instagram rundet diese Angaben. Alle vorgestellt in unserem Artikel über die Talente aus Friedrichroda
  • Instagram-Profile @stadt_friedrichroda, @schloss_reinhardsbrunn und @_thueringer_bergteufel_, Facebook-Seiten der Stadt Friedrichroda und des Thüringer Bergteufel e.V., YouTube-Kanal „Natürlich Friedrichroda" – Follower-, Abonnenten- und Beitragszahlen sowie Veröffentlichungsdaten aus dem öffentlichen Kanal-Feed, abgerufen am 14.08.2026
  • Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda – „Entgelt- und Benutzungsordnung für Schlosskapelle und Schlosspark Reinhardsbrunn", behandelt in fünf Gremiensitzungen zwischen dem 16.10. und 27.11.2025
  • Eigene Zählung der Betriebe im Unternehmens- und Vereinsverzeichnis von Friedrichroda-News, Stand 14.08.2026: 46 Hotels, Pensionen und Ferienunterkünfte, 18 gastronomische Betriebe
  • Die Kosten einer Vollzeitstelle von 55.000 bis 70.000 € sind unsere Annahme auf Basis üblicher kommunaler Eingruppierungen einschließlich Arbeitgeberanteilen, keine Angabe der Stadt
  • Teil 1: Digital neu aufgestellt? Der Faktencheck – Messungen zu Formularen, Satzungen, Suche, Barrierefreiheit und Melde-Button
Fazit

Ein Kurort, der 1,18 Millionen für die Kurverwaltung ausgibt und 13.000 für Digitalisierung, hat eine Entscheidung getroffen. Die Kurtaxe-Erhöhung allein hätte fünf Fachkräfte finanziert. Eine Erhöhung nimmt mehr Geld von denselben Gästen — eine Fachkraft holt mehr Gäste. (Meinung der Redaktion.)

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