News-Bericht

Windkraft im Wald: Pro, Contra und die Kosten

Der Stadtrat lehnt Windkraft auf den Gemarkungen ab, will klagen und Erholungswald prüfen. Wir sind weder für noch gegen Windkraft: Hier stehen die Argumente beider Seiten, der Faktencheck der Behauptungen, die Kostenfrage, die Antwort der Stadt und die Abstimmungsergebnisse — damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können.

News Friedrichroda ist in dieser Frage weder für noch gegen Windkraft. Wir tragen die Argumente beider Seiten zusammen, prüfen die kursierenden Behauptungen an den Quellen und legen die Beschlüsse offen. Das Urteil bilden Sie sich selbst.

Worum es geht

Auslöser ist das Projekt eines privaten Waldbesitzers für 15 Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von je 266,5 Metern im Bereich zwischen Tambach-Dietharz, Georgenthal und Finsterbergen. In seiner Sondersitzung am 18. Juni 2026 hat der Friedrichrodaer Stadtrat Windkraftanlagen auf den Gemarkungen Friedrichroda, Finsterbergen und Ernstroda abgelehnt, den Bürgermeister für den Fall einer Baugenehmigung mit gerichtlichen Schritten beauftragt und ein Vorab-Prüfverfahren zur Ausweisung von Erholungswald angestoßen.

Was dafür spricht

Für Windkraft sprechen vor allem drei Punkte. Klimaschutz: Windkraft ist einer der günstigsten Wege, CO₂-frei Strom zu erzeugen. Geld für die angespannte Stadtkasse: Nach § 6 EEG können Betreiber die Standortgemeinden beteiligen; für Friedrichroda geht es dabei um eine geschätzte Größenordnung von rund 170.000 Euro pro Jahr, dazu kämen Gewerbesteuer und Pachten. Vorbelastete Flächen: Vom Borkenkäfer geschädigte Wälder sind ökologisch bereits belastet und weniger konfliktträchtig als intakter Bannwald.

Was dagegen spricht

Gegen die Anlagen an diesem Ort sprechen ebenfalls gewichtige Argumente. Landschaft und Erholungswert: Mit 266,5 Metern wären die Anlagen weithin sichtbar — in einer Kur- und Wanderregion, die vom Landschaftserlebnis lebt, ein ernster Eingriff. Wald und Artenschutz: Für Fundamente und Zuwegungen wird Fläche gerodet; es bestehen Kollisionsrisiken für Greifvögel und Fledermäuse. Nähe zu Wohn- und Kurgebiet: Schall, Schattenwurf und nächtliche Befeuerung sind Belastungen, die über Abstände und Auflagen begrenzt werden müssten.

Die einzelnen Behauptungen

Ob Infraschall, Kurort-Prädikat oder Tourismus: Die kursierenden Behauptungen rund um die Windkraft haben wir bereits ausführlich geprüft. Die Ergebnisse stehen in unserem Faktencheck — dort ordnen wir jede Behauptung einzeln mit Quelle ein.

Die Kostenfrage

Beide angekündigten Instrumente sind nicht kostenlos. Zur Klage: Nach der Rechtsprechung kann sich eine Gemeinde gegen ein Vorhaben in einer Nachbargemeinde nur eingeschränkt wehren; Landschaftsbild und Naturschutz zählen nicht zu den Belangen, die sie gerichtlich durchsetzen kann. Die Erfolgsaussichten einer Klage sind daher gering. Zum Erholungswald: Nach § 30 ThürWaldG hat der Waldbesitzer Anspruch auf Ausgleich für Nachteile — und zahlungspflichtig ist bei nur örtlicher Bedeutung die Gemeinde selbst. Nimmt die Ausweisung dem Eigentümer wirtschaftliche Nutzung, könnte der Ausgleich hoch ausfallen.

Die Antwort der Stadt

Auf unsere schriftliche Anfrage zu diesen Kosten hat die Stadt geantwortet. Die wichtigsten Punkte:

Die Stadt ist kommunalrechtsschutzversichert; die Verfahrenskosten einer Klage seien damit gedeckt. Der Erholungswald ist bislang nur ein Prüfauftrag; eine flächige Ausweisung hält die Stadt selbst für kaum genehmigungsfähig und nicht finanzierbar. Der 1. Nachtragshaushalt sei ausschließlich wegen des Stellenplans der Stadtbetriebe nötig gewesen, nicht wegen Windkraft-Kosten. Und der entscheidende Punkt: Die Regionale Planungsgemeinschaft Mittelthüringen hat den 2. Sachlichen Teilplan „Wind" mit den Vorranggebieten als Entwurf beschlossen; auf den Gemarkungen Friedrichroda, Finsterbergen, Cumbach und Ernstroda liegen darin keine Vorranggebiete. Da außerhalb solcher Gebiete keine Anlagen genehmigt werden, würde das diskutierte Vorhaben nach Darstellung der Stadt keine Genehmigung erhalten — eine Klage wäre dann voraussichtlich gar nicht nötig.

Wichtig zur Einordnung: Der Teilplan ist noch ein Entwurf und wird erneut ausgelegt; die endgültige Fassung kann sich ändern. Wir prüfen das vor einer abschließenden Bewertung am Teilplan selbst gegen.

Die Beschlüsse im Detail (18.06.2026)

Zur Sondersitzung liegen inzwischen die öffentliche Niederschrift und das Beschlussprotokoll vor (21 Sitze, davon 18 anwesend):

  • Windkraft auf den Gemarkungen (Vorlage 050): abgelehnt — 0 Ja, 18 Nein, 0 Enthaltungen.
  • Gerichtliche Schritte gegen eine mögliche Baugenehmigung (Vorlage 054): angenommen — 18 Ja, 0 Nein, 0 Enthaltungen.
  • Erholungswald prüfen (Vorlage 056, Antrag der Fraktion „Bündnis für Friedrichroda"): angenommen als Vorab-Prüfauftrag — 17 Ja, 0 Nein, 1 Enthaltung.
  • Stellungnahme zum 2. Teilplan Windenergie (Vorlage 061, CDU-Antrag): einstimmig angenommen — 18 Ja, 0 Nein, 0 Enthaltungen.

Unser Anspruch

Windkraft ist keine einfache Ja-oder-Nein-Frage, sondern hängt an Standort, Recht und Abwägung. Man kann für oder gegen die Anlagen sein — beides ist legitim. Uns geht es nicht darum, diese Entscheidung für Sie zu treffen, sondern darum, die Grundlage dafür offenzulegen: die Argumente beider Seiten, die geprüften Fakten und die dokumentierten Beschlüsse. Das Urteil bleibt bei Ihnen.

Kommentar

Der folgende Abschnitt ist unsere Meinung, klar getrennt von der Berichterstattung oben. Unsere Neutralität in der Sachfrage — für oder gegen Windkraft — bleibt davon unberührt; hier geht es um Stil und Kommunikation.

Nach allem, was wir gesehen haben, tut die Stadt Friedrichroda das, was in ihrer Macht steht, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten fair und transparent für ihre Bürgerinnen und Bürger zu entscheiden: sachlich, über die zuständigen Verfahren, und auf unsere Fragen hat sie offen geantwortet.

Vor diesem Hintergrund hätte es eine Kampagne wie „Keine Windkraft im Wald" aus unserer Sicht gar nicht gebraucht. Mehrere ihrer zentralen Behauptungen halten der Prüfung nicht stand (siehe unseren Faktencheck). Um eine Stellungnahme haben wir die Kampagne gebeten — bis heute haben wir keine Antwort erhalten und es liegt uns keine Stellungnahme vor.

Eine saubere, offene Kommunikation zum Thema, zum Beispiel auf der eigenen Internetseite der Stadt, hätte aus unserer Sicht mehr Früchte getragen als Plakate am Ortseingang. Sie wäre keine Werbung für widerlegte Behauptungen — neudeutsch: Fake News — gewesen, sondern hätte die Menschen mit Fakten ernst genommen statt mit Angst.

Quellen

Alle News-Berichte

Windkraft im Wald: Pro, Contra und die Kosten · Friedrichroda-News