Das Bergtheater soll verkauft werden – was auf dem Spiel steht
Unsere historische Freilichtbühne mit 700 Plätzen soll an den Thüringer Bergteufel e.V. verkauft werden. Ein Verkauf ist dauerhaft und praktisch unumkehrbar. Vier Punkte, alle aus den Sitzungsniederschriften belegt – und eine klar gekennzeichnete Meinung.
Das Bergtheater — unsere historische Freilichtbühne mit 700 Plätzen — soll verkauft werden. An den Thüringer Bergteufel e.V. Ein Kaufantrag liegt vor; vorgestellt wurde das Projekt im Bauausschuss und im Kulturausschuss. Ein Verkauf ist dauerhaft und praktisch unumkehrbar. Wir finden: Darüber solltet ihr Bescheid wissen. Vier Punkte sind uns wichtig — alle aus den Sitzungsniederschriften belegt.
Interessenkonflikt
Markus Völlmer (CDU) ist Mitglied des Stadtrats — und zugleich Vorstandsmitglied des kaufenden Vereins. Nach § 38 ThürKO darf man bei Befangenheit nicht mitwirken. Einen öffentlichen Verkaufsbeschluss des Stadtrats gibt es bislang nicht; kommt er, muss das Abstimmungsprotokoll ausweisen, dass er ausgeschlossen war.
Bedenken aus dem Rathaus
Der 1. Beigeordnete Sebastian Klöppel verweist auf die Zweifel des Stadtrats an der langfristigen Umsetzung — und betont, das Bergtheater sei „ein Kulturgut, das in seiner Nutzungsart unbedingt erhalten werden muss". Das geplante Verfüllen des Orchestergrabens ist laut Niederschrift nicht mehr rückgängig zu machen.
Schon einmal schiefgegangen
Die Ausschussvorsitzende erinnert daran, dass die Stadt „in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen mit dem Verkauf städtischer Objekte" gemacht habe.
Schon festgelegt — keine offene Bühne mehr
Auf Nachfrage erklärte der Verein, „eine externe Vermietung ist grundsätzlich nicht geplant, außer ggf. an städtische Schulen". Das heißt: Andere, gerade kleinere und ehrenamtliche Vereine, die die Bühne bisher nutzen konnten, hätten künftig keinen Anspruch mehr. Ein Gut für alle wird zum Gut für einen.
Rechnet sich das überhaupt?
Ein Verkauf bringt der Stadt einmalig den Kaufpreis, eine Pacht dagegen dauerhaft Einnahmen — und die Stadt behält das Bergtheater. Als Faustregel gilt: Der Verkauf lohnt sich für die Stadt finanziell nur, wenn der Kaufpreis mehr einbringt als rund 25 Jahre Pacht. Liegt er darunter, ist die Pacht das bessere Geschäft. Bewerten lässt sich das aber erst, wenn der Kaufpreis offenliegt — bisher ist er nicht öffentlich.
Fair und wichtig
Das ist kein Vorwurf an den Verein. Der Bergteufel e.V. hat die Bühne belebt („Kürbisse glühen" von 1.500 auf 12.000 Besucher), will investieren und keine Kredite aufnehmen. Eine Rückfallklausel soll vertraglich geregelt werden, sodass das Theater bei Vereinsauflösung an die Stadt zurückginge. Es geht nicht um das Engagement des Vereins — sondern um die Frage: Wem gehört das Bergtheater?
Unsere Meinung
Über den unumkehrbaren Verkauf eines Kulturguts sollten nicht kleine Gremien allein entscheiden, sondern die ganze Stadt — per Bürgerentscheid. Eine Pacht oder ein Erbbaurecht wäre der faire Weg. In Thüringen gibt es das Bürgerbegehren (§ 17 ThürKO): Mit rund 7 % der Stimmberechtigten lässt sich ein Bürgerentscheid erzwingen; gegen einen Beschluss gilt eine Frist von 4 Wochen ab dessen Bekanntmachung.
Quellen
Öffentlich, aus dem Ratsinformationssystem der Stadt Friedrichroda: Niederschrift Bauausschuss vom 24.02.2026 (TOP 4, Projektvorstellung Bergtheater); Niederschrift Ausschuss für Kur, Kultur, Tourismus, Umwelt und Soziales vom 03.03.2026 (TOP 4). Markus Völlmer als Stadtratsmitglied: Gremium Stadtrat im RIS. Rechtsgrundlagen: § 38 ThürKO (Mitwirkungsverbot bei Befangenheit), § 17 ThürKO (Bürgerbegehren/Bürgerentscheid). Hinweis: Die Rückfall-/Rückkaufregelung ist noch nicht endgültig geregelt; der Kaufpreis ist bislang nicht öffentlich; einen öffentlichen Verkaufsbeschluss des Stadtrats gibt es (Stand Juli 2026) nicht.
Über den unumkehrbaren Verkauf eines Kulturguts sollten nicht kleine Gremien allein entscheiden, sondern die ganze Stadt – per Bürgerentscheid. Eine Pacht oder ein Erbbaurecht wäre der faire Weg: Die Bühne bleibt dem Verein, das Kulturgut bleibt der Stadt – und offen für alle. (Meinung der Redaktion.)